Am Standort Wilhelm-Seedorf-Straße soll ein gemeinsamer Campus für die Berufsbildenden Schulen I und II entstehen. Politisch ist das Vorhaben weiter gewollt – doch am Tempo der Umsetzung gibt es wachsende Kritik.
Uelzen. Der geplante BBS-Campus in Uelzen bleibt eines der größten und teuersten Zukunftsprojekte im Landkreis. Am Standort Wilhelm-Seedorf-Straße sollen die Berufsbildenden Schulen I und II zu einem gemeinsamen Berufsschulcampus zusammengeführt werden. Die politische Grundsatzentscheidung für diese Lösung ist bereits vor längerer Zeit gefallen: Der Kreis-Schulausschuss hatte sich einstimmig für die sogenannte Campus-Variante ausgesprochen, deren Kosten damals mit rund 145 Millionen Euro veranschlagt wurden. Damit galt das Modell als wirtschaftlicher als mehrere andere geprüfte Varianten.
Mit dem Vorhaben verbindet der Landkreis weit mehr als nur einen neuen Schulstandort. Der Campus soll die berufliche Bildung in der Region langfristig stärken, Synergien zwischen den Fachbereichen schaffen und durch gemeinsame Infrastruktur die Zusammenarbeit verbessern. Auch Kooperationen mit externen Partnern sollen leichter werden. Der Neubau gilt damit nicht nur als Bauprojekt, sondern als strategische Investition in den Bildungsstandort Uelzen.
Inzwischen ist jedoch deutlich geworden, wie lang der Weg bis zur Fertigstellung noch ist. Nach dem jetzt vorgelegten Zeitplan rechnet die Kreisverwaltung mit einer Gesamtfertigstellung bis Ende 2034. Zugleich ist klar, dass die aktuell genannten 145 Millionen Euro nicht zwingend das letzte Wort sein müssen. Belastbare Gesamtkosten werden erst nach den Ausschreibungen feststehen. Bislang sind nach Angaben des Landkreises rund 2,5 Millionen Euro an Fördermitteln gesichert.
Der Ablauf ist in mehrere große Bauabschnitte gegliedert. Zunächst soll das Bebauungsplanverfahren bis Ende September 2026 planreif werden. Mit der Baugenehmigung wird im September 2027 gerechnet. Noch im selben Jahr soll der Kreisverkehr an der B71/Esterholzer Straße gebaut werden – deutlich früher als ursprünglich erwartet. Das Campus-Parkhaus ist nach derzeitigem Stand von Dezember 2027 bis September 2028 vorgesehen. Die eigentliche Bauphase des Campus soll von November 2028 bis Oktober 2031 laufen. Danach schließt sich die Sanierung der Bestandsgebäude der BBS I an, die noch einmal etwa drei Jahre beanspruchen dürfte.
Gerade dieser lange Zeithorizont sorgt in der Kreispolitik für Unmut. Vor allem aus den Reihen der SPD kommt Kritik an der aus ihrer Sicht zu langsamen Umsetzung. Dort wird bemängelt, dass vom angekündigten Beschleunigungskurs bisher wenig zu sehen sei. Die Verwaltung verweist dagegen auf laufende Verfahren, ausstehende Genehmigungen und technische Nachweise, die vor dem eigentlichen Baustart noch abgearbeitet werden müssen. Wie groß das Risiko weiterer Verzögerungen ist, lasse sich derzeit noch nicht seriös beziffern.
Zum Projekt gehören außerdem spürbare Veränderungen auf dem umliegenden Gelände. So soll der Bolzplatz an der Hermann-Löns-Schule dem geplanten Parkhaus weichen. Als Ausgleich sind auf dem Gelände ein neues Ballspielfeld sowie eine Laufbahn mit Sprunggrube vorgesehen. Das Parkhaus selbst ist nördlich der Schule geplant und soll auf vier Ebenen Platz für bis zu 400 Fahrzeuge bieten. Gleichzeitig soll das Umfeld in Teilen stärker entsiegelt und grüner gestaltet werden.
Trotz aller Kritik bleibt der politische Wille zur Umsetzung bestehen. Der BBS-Campus gilt im Landkreis weiterhin als zentrales Zukunftsprojekt für Bildung, Fachkräftesicherung und Standortentwicklung. Allerdings zeigt der aktuelle Zeitplan auch: Bis aus dem Vorhaben ein fertiger Campus wird, dürften noch viele Jahre vergehen.


